| Das Licht in der Dunkelheit
NEW rAGE PROJECT begannen mit den Aufnahmen zu den Totenliedern bereits im August 2005 mit düsteren Klangcollagen, über denen sich die Texte als gesprochenes Wort entfalten. Phase 2 bestand aus einfachen, meist tieftraurigen Liedern, die im Jahr 2006 unter anderem in verschiedenen Kirchen aufgenommen wurden. Hier waren die technischen Möglichkeiten begrenzt, aber dennoch entstand ein athmosphärisch dichter Klang. Die Stücke Lacrimosa, Auf dem Strome, Schwarzer Stern und Im Nebel verströmen jedoch eine Authentizität, die wohl in keinem Studio der Welt zu erzeugen ist. Diese Songs erinnern in ihrer Struktur und einfachen Melodielinien entfernt an Wiegenlieder, die Texte hingegen widmen sich dem unaufhaltsam nahenden Tod. In der dritten Phase, die im Januar 2007 ihr Ende fand, mischten sich treibendes Schlagwerk und verzerrte Gitarren in das Gesamtbild, die neuen Stilelemente verwischen die sich bei dem Titel “Totenlieder” aufdrängenden Assoziationen von leiser Trauer über den Tod einer geliebten Person und öffnen die Tore für schreiende Wut über den Tod der Völker. Als Gaststimmen sind auf den Totenliedern Speedy, Razial und Lena Winkel zu hören. Lena, die ansonsten bei der Band On Purpose (www.onpurpose.de.vu) für den Gesang zuständig ist, hinterlies bereits bei Deutschland sucht den Superstar einen bleibenden Eindruck und zeigt sich bei den Totenliedern absolut überzeugend auch in jenen Stilrichtungen, die Dieter Bohlen wohl nicht produzieren würde. Aller musikalischen Vielseitigkeit zum Trotz tritt bei der Zusammenstellung der Totenlieder jedoch zu keinem Zeitpunkt Beliebigkeit ein. Die thematische Achse bleibt der Tod, um den sich die unterschiedlichsten Klangwände und musikalischen Flächen im Kreise drehen, wie das Leben selbst. Die Musik von NEW rAGE PROJECT ist zu jedem Zeitpunkt echt: Echte Wut, echte Trauer und manchmal schleicht sich gar echte, bissige Ironie in die Stücke. Totenlieder ist trotz einiger klamm-heimlicher Ohrwürmer in seiner Gesamtheit ein sperriges und immer anspruchsvolles Album geworden, dass in unsere Zeit passt, in ein Zeitalter, das neben seinen Toten oft auch seinen Glauben, seine Ideale und manchmal jegliche Hoffnung begraben hat. Doch eins bleibt in den Soundlandschaften und auch in den sorgfältig ausgewählten Texten stets sichtbar: Der Lichtfunke in der Dunkelheit. (Peter Joost Mertens) |