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Heidnisches Jahrbuch 2012

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Eröffnet wird der Reigen mit Fliegenpilzen, Schweinchen, Zwergenmützchen, rotweißgestreiften Zaubertüten, vierblättrigen Kleeblättern, Schornsteinfegern, die uns regelmäßig zu Silvester und im Neuen Jahr begegnen. Christian Rätsch beschäftigt sich in seinem Beitrag Viel Glück zum Neuen Jahr! mit dem Fliegenpilz und all den anderen populären Glückssymbolen samt deren Bedeutung für das Brauchtum zu Silvester/Neujahr, bzw. ‚zwischen den Jahren‘, d. h. der Zeit der Wilden Jagd. Neben den für Christian Rätsch bekannten tiefgründigen pflanzenkundlichen Informationen zum Thema erfährt der Leser zudem etwas über die heidnischen Ursprünge jener Glückssymbole.

Thematisch schließt sich daran wunderbar der Artikel von Christian Brüning über Die Wilde Jagd an. In seinem Beitrag, der in ähnlicher Form bereits in Ausgabe 16 der Vereinszeitung des Eldaring e.V. ‚Herdfeuer’ veröffentlicht wurde, untersucht Brüning sehr detailliert von den Ursprüngen bis in die heutige Zeit diesen „Kernmythos“, der nicht nur in weiten Teilen Europas verbreitet ist, sondern sich auch außerhalb wie z. B. in den USA in Form des „Ghost Riders“ wiederfinden lässt. Er unterstreicht zudem die enorme Bedeutung der Wilden Jagd für das Heidentum: als Verbindung von sozialem Brauch und religiöser Weltsicht und für die Menschen im Allgemeinen als Verbindung von sozialem Brauchtum und philosophischer Naturbetrachtung in seiner Auseinandersetzung mit dem Kreislauf von Leben und Tod.

Mit den wohl bekanntesten Göttinnen in der germanischen Mythologie, Frigg und Freyja, befasst sich Peter Hilterhaus. Er unternimmt in seinem Beitrag mit dem Titel Freyja den Versuch, Klarheit in die seit Jahren in der Fachwelt wie in diversen Foren heftig diskutierten Thesen zu bringen: ob Freyja und Frigg zwei unterschiedliche Göttinnen des germanischen Pantheons sind, oder ob es sich hier um ein und dieselbe Göttin handelt. Seine Ergebnisse sind spannend und eindeutig zugleich.

Im Anschluss erforscht der Mythenkenner und Künstler Voenix eine weitere Gestalt der nordischen Mythologie: den Skalden und Dichtergott Bragi Boddason. Aus den wenigen (isländischen) Quellen geht hervor, dass Bragi einer zweifachen Natur entspringt, einer historischen Gestalt und einem mythischen Wesen, denen der Autor sich nähert und sie miteinander vergleicht. Wie immer ist dieser Beitrag reich bebildert.

Die in Russland beheimatete Baba Yaga wird in den Märchen als Waldfrau, Hexe und Hüterin dunkler Geheimnisse beschrieben; sie verkörpert scheinbar ein böses und zerstörerisches Wesen. Wenn man ihr aber richtig zu begegnen weiß, so wird sie schnell zur Lehrerin, Helferin und Schenkerin. Wolfgang Bauer widmet sich in seinem Beitrag der russischen Hexe und sieht in ihrem Wesen Parallelen zu den Waldhexen, wie sie uns in der Märchensammlung der Brüder Grimm begegnen.

In seinem Beitrag Nordische Götter und Fantasy befasst sich Hermann Ritter mit der Verwebung von Neuheidentum und Fantasy-Literatur. Die Leser-Autoren-Bindung scheint in keiner anderen Literaturgattung so eng zu sein wie bei der Phantastik. Beide Szenen leben von dem ‚Input‘, den sie einander gewähren. Hermann Ritter führt den Leser, wie in seinen bisherigen Jahrbuchbeiträgen, immer amüsant und doch informativ durch die Geschichte und die Welt der Fantasy-Literatur samt ihren Bezügen zum Neuheidentum. Behandelt werden u. a. Autoren wie C.J. Lewis, J.R.R. Tolkien, H.P. Lovecraft, Robert E. Howard, Marion Zimmer Bradley, Anne Rice, Joanne K. Rowling und natürlich Stephanie Meyer.

Claudia Müller-Ebeling stellt in ihrem Beitrag Frau Holle, Ludwig Bechstein und die Wetterhexe fest, dass die zentralen Szenen des Märchens „Frau Holle“ metaphorisch verschlüsselt die ursprüngliche Natur von Frau Holle als heidnische Erdgöttin bergen, die wiederum in einem archaisch-schamanischen Weltbild wurzelt. Die Autorin entschlüsselt die Natur von Frau Holle und hebt ihren Bezug zur Wetterhexe deutlich hervor.

Ein Interview mit dem georgischen Dichter Koba Arabuli über Zeit und Raum des sakralen Mythos im Kaukasus führte für uns Dominik Irtenkauf. Georgien verfügt über eine eigene Mythologie, die eine Verbindung zur Griechischen besitzt. Wie in vielen Ländern, so schreitet auch in Georgien die Verwestlichung stetig fort und droht die lokalen Traditionen und Mythen immer mehr in Vergessenheit geraten zu lassen. Koba Arabuli ist bewusst, dass er einen Kampf gegen Windmühlen führt. Aber einige seiner Bemühungen fallen auf fruchtbaren Boden, was ihm Kraft und Zuversicht gibt, weiter zu machen.

Clemens Zerling geht in seinem Beitrag Als Götter sich noch mehr im Außerseelischen zuhause fühlten der religiösen Bedeutung von Steinen in verschiedenen Kulturen und Epochen nach: von der Megalithzeit (= Zeit der Großsteine), über die Römer und Griechen zum Islam und bis ins 20. Jahrhundert. Er weist den Leser ein in die verschiedenen Deutungsweisen der ‚Heiligen Steine‘ als Hierophanien (Manifestationen des Heiligen), als vom Himmel gefallen „Findlinge“, als Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Welt oder Fruchtbarkeitssymbole. Doch ein Stein oder Fels scheint vor allem immer er selbst zu sein, unabänderlich und absolut, ewig und ursprünglich. Oder doch nicht? Ist der Stein vielleicht auch eine Schwelle zum Urgrund und hält seine wahre Natur vor allen Banausen verborgen, die einfach nicht „das ganz Andere im Stein“ sehen wollen?

„Von der Holzklotzanbetung bis zur Kruzifixproduktion – keine Religionsgeschichte ohne Kahlschlag” formuliert der Autor Ulrich Holbein zu recht in einem besonders amüsanten wie sarkastischen und zugleich nachdenklich stimmenden Beitrag Die Baumseele zwischen Abholzung und Stadtbegrünung. Dieses Plädoyer hält uns den Wahn der monotheistischen Vandalen vor Augen, eine Axt in die Hand zu nehmen, sobald dieser einen Baum nur erahnt.

Den Abschluss bilden wie immer Rezensionen, Veranstaltungshinweise und Kontaktadressen.

Holger Kliemannel (Hrsg.)
Heidnisches Jahrbuch 2012

440 Seiten, 50 Abbildungen, 14,8 x 21 cm, Broschur
ISBN 978-3-939459-64-4

26,80 €

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